Gedichte – Poems

„Das Narrenschiff“
von Hieronymus Bosch

 

Narrenschiff

All die blinden Narren,
sitzen zusammengefercht auf einem Schiff.
Wo wird ihre Reise hingehen?
Was wissen sie schon?

Sie kommen zurück ins Heimatland,
Dort, wo der Wahnsinn tobt.
Sie zeigen auf, mit ihren Narrengesichtern
was im Unterholz vergraben.

Die Narren prangern an,
Sie verleugnen nicht die Vernunft.
Man trieb sie fort auf den Ozean,
zu entdecken die vertraute Welt.

Ihr Schiffe voller Narren!
Kennt ihr den feinen Unterschied?
Man lacht, man singt, man spielt,
man gaukelt einem die Wahrheit vor.

 

Vom Sinn

Ist es der Geist, der sich über allem erhebt?
Ist es der Körper, der alles bewegt?
Ist es der Verstand, um den sich alles dreht?
Oder ist es vielmehr das Große und Ganze,
dass alles erlebt?

Ob Sinn und Verstand auch immer eine Einheit wären,
dass läßt sich erst im Laufe der Zeit klären.

 

Vom Unsinn

Die Kuhglocke schält im Morgengrau,
im Stahl wiert schon die Sau.
Der Hengst steh Kopf auf der Mistgabel
Und ich kratzt mir am Bauchnabel.

Die Mülltonne steht am Klippenhang,
der Klodeckel hängt im Gang.
Die Müllabfuhr kommt heut nicht mehr,
gegen Mitternacht ist die Vollmilch leer.

Draussen erhebt sich der Kinderchor,
es schallt wie der D-Zug durch mein Ohr.
Die Glocke springt im Viereck,
ja morgen, da ist alles weg.

 

Realität

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den Zeilen,
versteckt im Untergrund der Gedankenwelt.
Vielleicht ist es ein Sumpf aus Nichts und Farbe.
Vielleicht ein Brei aus Wissen und Vernunft.
Wer kann mir diese Frage schon beantworten?
Wir drehen uns im Kreis.
Suchen nach Antworten.
Fündig wird nur das Haar in der Suppe.
Ein Ausguss aus Gedankenwiderständen der Unendlichkeit.
Realitätsbewußtsein ist ein Muss,
Doch leben wir tatsächlich in ihr?

 

Keks im Gehirn

Der Keks im Gehirn,
Er lebt! Er lebt!
Fang jetzt nicht an zu schwafeln,
Es ist der Keks im Gehirn.
Gibts du Milch dazu erweicht er.
Ein schwammiger Keks im Gehirn.
Zu viel Input verdirbt ihn,
Zu wenig Information macht ihn kleiner.
Lass ihn leben,
Den Keks im Gehrin!

 

FREIRAUM

Der freie Raum.
Was ist das?
Frei an Raum –

Der begrenzte Raum
Die unendliche Weite der Galaxie
Der freie Raum des Universums
unseres Sonnensystems, des Paneten
Was ist das alles zum begrenzten Raum einer Gefängniszelle?

Der freie Raum ist die Gedankenfülle,
ist das selbsterfüllende Sein,
die Unbeschränktheit der Intelligenz.
So frei, ohne an die vier eigenen Wände zu denken.

Kannst du ihn sehen?
Kannst du ihn schmecken?
Kannst du ihn riechen?
Kannst du ihn hören?
Kannst du ihn fühlen?
Das ist mehr als du dir vorstellen kannst.

FREIRAUM

 

Die runde Ecke

Von der Wand bis an die Ecke,
Von der Seite bis zur Biegung,
Von der Rundung in die Neigung,
Von der Ritze bis zum Loch

und die Welt, die dreht sich doch!

 

Ode an das Knopfloch

Loch
geh zu!
Sesam
öffne dich!

Ich schaue durchs Knopfloch
empor zu den Sternen.
Die sagen mir viel,
wenn sie nur sprechen könnten…

Knopfauge
wie die Katz.
Knopf geh zu,
an der Hose.

Ich schaue in deine grünen Augen,
wie in einen Spiegel.
Meine Füße heben ab,
nur 10cm über dem Erdboden.

Knopfloch,
verschweige nichts!
Knopfloch,
wenn ich dich nicht hätte!

 

Das Hackfleisch wird schlecht

Warum immer warten,
bis alles schlecht wird?
Die guten Gedanken,
die bösen Geschichten,
die Gelüste des Verstandes,
ja, sie wanken schon.

Das Hackfleisch im Kühlschrank
wird schon wieder schlecht.
Sonderangebote im Überfluss:
Die Milch ist schon sauer.
Die Sahne ist schon Butter.
Der Käse verschimmelt.
Wen kümmerts schon?
Wir haben ja uns.

Die brachialen Gewalten,
in und um uns.
Die Naturgesetze des Planeten,
die alles in Ordnung bringen.
Nur wir fragen uns uneinig:
Muss das Hackfleisch jetzt weg?

 

Sinn und Zweck

Man stelle die Zutaten zusammen. Man stelle den Kochtopf auf den Herd.
Man nehme dazu:

Eine Prise Leichtigkeit
2 Esslöffel Heiterkeit
1 Tasse Zweck
2 Tassen Sinn
3 Tassen Verstand

und gieße das Ganze mit Wasser auf. Unter ständigem Rühren kommt die Suppe zum kochen. Sie brodelt für eine halbe Stunde auf dem Herd. Nun kommt das Abschmecken. Eventuell kommt noch ein Hauch Verzweiflung dazu. Das gibt dem Ganzen die spezielle Würze.
Man nehme die Suppe vom Herd und fülle sie in Tellern ein.
Wohl bekomms!

 

A+E=G

A wie alle
A wie Anfang
A wie Apfel

Ah, ja, machen sie mal Ah beim Arzt.

E wie Emil
E wie Ende
E wie Eisenbahn
Eh eh eh, E das ist und bleibt…

Es war einmal –

G wie Ganz
G wie gut
G wie Gesamtheit des Ganzen.

Am Anfang und am Ende sind wir gleich.

 

Die Fuge

Zwischen den Ritzen, ja
da sitzt die Fuge.
Sie macht es sich bequem.
Sie fühlt sich zu Hause.

Die Fuge kann dir viel erzählen,
die Fuge weiß Bescheid.
Sie liebt den Müßiggang der Zeit.

Zwischen den Ritzen der Kacheln,
ja, gib acht (!)
Hat sie sich verkrochen,
und sieht die Menschen zoffen.

Die Fuge ist stets still,
Die Fuge ist bescheiden,
Sie kennt aller Menschen leiden.

 

Liebe

Was gibt es von der Liebe zu erzählen?
Was wurde nicht alles über sie geschrieben?
Wo überall ist sie zu finden?

Die Liebe, ja, die liegt im Detail.

 

Jeder echte Herzschlag

Jeder echte Herzschlag – nur für dich!
Jeder echte Herzschlag,
ein Sog, ein Taumel des Glücks.

Es pocht in meiner Brust,
unaufhörlich.
Es pocht in meiner Brust,
voll Lebensgier.

Jedes Zucken ein Gefühl.
Jeder Gedanke … ist doch zu viel?
Jedes Pochen meines Herzens,
… ist doch voller Schmerzen.

Der Herzschlag gibt keine Ruh,
die Sehnsucht treibst voran.
Der Herzschlag: Das bist du!
So warte nimmer bis dann und wann!